Kompressionsstrümpfe – flachgestrickte oder rundgestrickte?

Medizinische Kompressionsstrümpfe werden in zwei unterschiedlichen Strickverfahren hergestellt – im Flachstrickverfahren und im Rundstrickverfahren. Worin liegen die Unterschiede? Für wen eignet sich welcher Strumpf?

Der wahrscheinlich auffälligste Unterschied ist, dass rundgestrickte  Kompressionsstrümpfe keine Naht haben, flachgestrickte Kompressionsstrümpfe jedoch schon. Diese verläuft beim Flachstrick der Länge nach von unten nach oben.

Kompressionsstrumpf mit Rundstrick ohne Naht

Rundgestrickte Kompressionsstrümpfe werden auf einem runden Strickzylinder hergestellt. Bei diesem Herstellungsverfahren können keine Maschen zu- oder abgenommen werden, deshalb erfolgt die anatomische Formgebung durch eine Änderung der Maschengröße und Fadenspannung. Auf diese Weise können verschiedene Umfänge und Größen je nach Bedarf abgedeckt werden. Rundgestrickte Kompressionsstrümpfe werden sowohl als Serien- als auch als Maßstrümpfe gefertigt.

Mit einem rundgestrickten Kompressionsstrumpf lassen sich alle wesentlichen phlebologischen Erkrankungen (Venenerkrankungen) versorgen. Jedoch erreicht das Rundstrickverfahren bei sehr großen Umfangsmaßen seine Grenzen. In solchen Fällen werden Patienten besser mit flachgestrickten medizinischen Kompressionsstrümpfen versorgt.

Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe für größere Umfänge

Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe werden auf einer länglichen Flachstrickmaschine gefertigt. Dabei entsteht ein flaches, zweidimensionales Gestrick. Man kann Maschen zu- oder abnehmen und auf diese Weise die Strumpfform auf alle erdenklichen bzw. notwendigen Umfangsvariationen anpassen.

Mit einem flachgestrickten Kompressionsstrumpf wird auch bei extremen Ödemformen (Schwellungen) ein optimaler Druckverlauf erreicht, da dieses Strickverfahren die Herstellung sehr formstabiler Kompressionsstrümpfe ermöglicht. Durch diese Stabilität legt sich der Strumpf nicht in die Hautfalten von Ödempatienten. Unerwünschte Einschnürungen können hierdurch optimal kaschiert werden.

Massageeffekt und Luftdurchlässigkeit

Ein weiterer Vorteil des Flachstricks ist seine gröbere Struktur. Durch diese wird ein Massageeffekt auf das subkutane Bindegewebe ausgewirkt, der den Abfluss der Lymphe unterstützt. Die grobe Struktur eines Flachstricks begünstigt ebenfalls die Luftdurchlässigkeit und erhöht durch die Atmungsaktivität das Wohlfühlklima beim Tragen. Dies wirkt sich positiv auf die Compliance, also die Bereitschaft zur aktiven Mitwirkung an der therapeutischen Maßnahme, des Patienten aus. Der höhere Arbeitsdruck eines Flachstricks ist außerdem vorteilhaft, weil die Gefahr einer Reödematisierung bei Ödempatienten reduziert wird.

Haben Sie Fragen zu den unterschiedlichen Strickverfahren oder allgemein zum medizinischen Kompressionsstrumpf? Kontaktieren Sie uns gerne.